Botschafter Nordens Michael

14 ALSTER-MAGAZIN NR. 02 2018 ALSTER MAGAZIN L O C A L P E O P L E Botschafter des Nordens 19 Jahre lang leitete Michael Lang die Komödie Winterhuder Fährhaus. Er ist an der Alster geblieben, seit gut einem halben Jahr führt er das Ohnsorg Theater . Wir sprachen mit ihm über Unterschiede, Herausforderungen und einen europäischen Auftrag. Alster Magazin: Was war für Sie persönlich die größte Heraus- forderung bei Amtsantritt? Michael Lang: Die Frage, wie wir es schaffen, das erfolgreiche künstlerische Profil so weiterzuentwickeln, dass wir einerseits die Abonnenten mitnehmen, aber andererseits auch die nachwachsenden Generationen für unser Programm begeistern ... ... das war in der Komödie wegen des Altersdurchschnitts des Publikums nicht viel anders, oder? Ja, es ist genau wie im Fährhaus. (lacht) Hier allerdings mit der zusätz - lichen Schwierigkeit, dass wir die nachwachsenden Generationen nicht nur für Theater allgemein begeistern müssen, sondern auch noch für die plattdeutsche Sprache. Die Leute fragen sich natürlich, warum soll ich in ein niederdeutsches Theater gehen, wenn es 30 weitere Bühnen in der Stadt gibt, die hochdeutsch spielen. Wie gelingt es? Man muss schon etwas wirklich Besonderes bieten, damit die Leute diese vermeintliche Hürde auch nehmen. Wie etwa den Klassiker Romeo und Julia als plattdeutsches Volkstheater. Dann kommen junge Menschen und merken schnell, hey, das kann ich ja verstehen. In Winterhude haben Sie mit der Reihe KONTRASTE ein Theaterformat für ein jüngeres Publikum entwickelt. Planen Sie Ähnliches am Ohnsorg Theater? Mit der 80 Plätze umfassenden Studiobühne unter der Leitung von Cornelia Ehlers gibt es bereits ein entsprechendes Format. Es soll den nachwachsenden Generationen das Plattdeutsche vermitteln. Deswegen zeigt es wagemutigere Stücke, teils gemischt in Platt- und Hochdeutsch und initiiert auch viele Projekte für Jugendliche und Schulen. Was ist der größte Unterschied? Ich nenne mal zwei. Einer ist, dass am Ohnsorg Theater alles vor Ort produziert wird, vom Bühnenbild bis zu den Kostümen. Deswegen haben wir u.a. eine Tischlerei, eine Schlosserei und eine Schneiderei im Haus. Der zweite ist die Intensität, denn wir haben mit 7 großen Produktionen, 5 Studioproduktionen sowie Märchen und Tourneen über 700 Vorstellungen im Jahr, davon über 500 hier im Haus. Dafür erhalten Sie anders als an alter Wirkungsstätte Geld von der Stadt, gut 2,2 Mio. Euro im Jahr. Hat man den Ehrgeiz mal ohne Subventionen auszukommen? Das ist utopisch, denn wir haben einen Kulturauftrag, die lebendige Förderung der niederdeutschen Kultur. Der ergibt sich aus einer EU-Charta, der das Land dazu verpflichtet, Regionalsprachen zu fördern. Dazu müssen wir u.a. ein festes Ensemble vorhalten, das die Sprache perfekt beherrscht. Außerdem transportieren wir auf Tourneen unsere Programme als Botschafter des Nordens durch den deutschsprachigen Raum und organisieren theaterpädagogische Angebote für den Nachwuchs. Das geht nicht ohne Subventionen. Ist es Segen oder Fluch, dass das Bild des Theaters durch die alten Fernsehübertragungen mit Heidi Kabel geprägt ist? Auf der einen Seite ist es gut, weil sie den Namen landesweit im Fokus halten und es immer noch ein Publikum dafür gibt. Auf der anderen Seite können sie verschleiern, dass sich das Theater über die Jahre weiterentwickelt hat. Es gibt neue Künstler, eine andere Ästhetik und zeitgemäße Themen und sogar wie schon erwähnt ins Plattdeutsche übertragene Klassiker wie Romeo und Julia. Ein großer Erfolg im vergangenen Jahr, der zeigt, dass viel möglich ist. kw Nach fast 20 erfolgrei- chen Jahren war es an der Zeit, etwas Neues zu wagen. Und wer kann bei Deutschlands bekanntestem Priv- attheater schon Nein sagen, so Michael Lang. Fo to : O liv er F an tit sc h