GAST- BEITRAG Gleichberechtigung

12 ALSTER-MAGAZIN NR. 02 2021 ALSTER MAGAZIN L O C A L P E O P L E Gleichberechtigung statt Gleichmacherei! D ie Frauenquote für Vorstände kommt! Diese Nachricht hat von Vertretern der politischen Linken über große Teile der öffentlich-rechtlichen Medien bis hin zu einigen DAX-Vorstandsvorsitzenden scheinbar breite Zustimmung gefunden. So äußerte sich der bis vor kurzem amtierende Siemens-Vor- standsvorsitzende Joe Kaeser: Wenn es die deutsche Wirtschaft über Jahrzehnte nicht geschafft hat, mehr Frauen in den Vorständen zu etablieren, dann muss der Gesetzgeber den Rahmen eben enger fassen. Hätten diese Maßstäbe gegolten, als Kaeser selbst in den Siemens-Vorstand berufen wurde, hätte ihm eine Frau vorgezogen werden müssen. Aber auf dem vermeintlichen Zeitgeist zu surfen, ist bequem und gibt auf einfache Weise schnellen Applaus. Leider liegt für einige Politiker das Plädoyer für eine Frauenquote wie süßes Gift da. Ich kann nur davor warnen, diesen Weg zu gehen. Warum? Mit einer gesetzlichen Frauenquote würde sich unser Land vom Ziel der Gleichberechtigung verabschieden und stattdessen Gleichmacherei zum Grundsatz machen. Aus guten Gründen ist in Artikel 3 des Grundgesetzes die Gleichberechtigung verankert; dort heißt es, dass niemand wegen seines Geschlechts, seiner Hautfarbe oder seiner Religionszugehörigkeit benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Damit ist ein bedeutender Grundsatz für unsere Gesellschaft verbunden: Jede Person soll gleiche Chancen haben. Aus guten Gründen haben daher Verfassungsgerichte die von SPD, Grünen und Linkspartei auf den Weg gebrachten Paritäts- gesetze, durch die Mandate nach dem Geschlecht verteilt werden sollten, allesamt für rechtswidrig erklärt. Umso unverständlicher ist es daher, dass auch SPD und Grüne nun in der Hamburgischen Bürgerschaft diesen verfassungswidrigen Weg einschlagen und verbindliche Quoten für die Wahllisten der Parteien beschließen wollen. Statt für Quoten, die individuelle Chancen zerstören und das Leistungsprinzip aushöhlen, sollten wir uns dafür starkmachen, dass etwa die Rahmenbedingungen für berufstätige Mütter oder Väter verbessert werden. Dort gibt es gerade für den Hamburger Senat noch viel zu tun, ob in Hinblick auf eine bessere Kinderbetreuung durch gut ausgebaute Kita-Systeme oder in Hinblick auf eine bessere Teil- habe durch digitale Formate. Wenn man jedoch Quo- ten einführt und in der Logik der Quotenbefürworter weiterdenkt, bräuchten wir irgendwann auch Quoten für Migranten oder einzelne Alters- und Berufsgrup- pen. Das würde bedeuten, dass Quoten in der Politik die Freiheit der Hamburgerinnen und Hamburger massiv einschränken, da diese nur noch Personen aus ausgewählten Gruppen wählen dürften. In der Hamburger Wirtschaft wiederum würden Quoten zu mehr staatlicher Gängelung führen und ebenfalls die Auswahl privater Unternehmen einschränken. Wenn Diversität ein Unternehmen erfolgreicher und attrak- tiver macht, werden die meisten Unternehmen in einer Marktwirtschaft von sich aus versuchen, die bestmögliche Vielfalt abzubilden, oder sie werden im Wettbewerb mit Unternehmen unterliegen, die vielfältiger aufgestellt sind. Gerade zahlreiche Hamburger Unternehmer brauchen hier keine Belehrungen oder Gängelungen vom Hamburger Senat. Wer aber überall Parität einfordert, reduziert Menschen auf ihre Gruppenidentität wie Geschlecht, Hautfarbe oder Alter. Welche seltsamen Blüten eine solche Identitätspolitik treibt, konnte man jüngst in Paris sehen. Die Stadt musste ein Bußgeld zahlen, weil sie zu viele Frauen in Führungspositionen befördert hat. Eine Quote ist daher alles andere als modern. Die CDU ist deswegen gut beraten, nicht die Büchse der Pandora zu öffnen, sondern sich für einen fairen Wettbewerb, Gleichberechtigung aller Menschen, Chancengerechtigkeit und das Leistungsprinzip auszusprechen. Damit spräche sie zahlreichen Frauen und Männern aus der Seele und würde sich wohltuend vom identitätspolitischen Irrweg des allenfalls medialen Mainstreams in unserem Land abheben. Als direkt gewählter Wahlkreisabge- ordneter für Hamburg-Nord und das Alstertal werde ich mich genau dafür im Deutschen Bundestag starkmachen. GAST- BEITRAG von Dr. Christoph Ploß Dr. Christoph Ploß (CDU), MdB für den Wahlkreis Hamburg-Nord/Alstertal und Landesvorsitzender.