wollte Rolle unbedingt

NR 01 2021 ALSTER-MAGAZIN 19 ALSTER MAGAZIN L O C A L P E O P L E Ich wollte die Rolle unbedingt Die Hamburger Schauspielerin Milena Tscharntke ist gerade in einem Familiendrama mit Thrillerelementen zu sehen: Tod von Freunden (ZDF). Uns erklärte die 24-Jährige, was sie an ihrer Rolle so fasziniert und warum man die Serie sehen sollte. A lstertal Magazin: Ich bin ein bisschen neidisch auf den Drehort den ihr hattet, die Ochseninseln in der Flens-burger Förde. Die Insel passte ja perfekt, um mit ei-nem deutsch-dänischen Team zu drehen. Wie war das? Milena Tscharntke: Die meisten Dänen im Team konnten gut Deutsch, da wir ja an der deutsch-dänischen Grenze gedreht haben. Das ist auch ein Thema in der Serie, dieser fließende Übergang der deutschen und der dänischen Minderheit. In der Serie geht um zwei Familien eine deutsche und eine dänische die auf dieser Insel wie in einer Großfamilie leben und ihre vier Kinder zusammen erziehen es wurde zweisprachig gedreht. Ich gehöre zur dänischen Familie und deswegen hab ich Dänisch lernen müssen, denn es wird logischerweise auch viel dänisch gesprochen, etwa in Streitgesprächen und besonders emotionalen Szenen (mit Untertiteln, d.Red.). Am Set herrschte eine tolle Atmosphäre und alle haben sich gegenseitig unterstützt, wenn es doch mal schwierig wurde. Du hast auch in einer Pressemitteilung gesagt: Ich mag den Klang der Sprache und wie anders sich das Spielen auf Dänisch angefühlt hat. Wie kann man sich das als Laie vorstellen was ist anders? Die Schwierigkeit bestand vor allem darin, dass ich natürlich keine richtige Verbindung zu der Sprache habe. Ich habe zwar ein bisschen Basics gelernt und mich in jeder Szene akribisch vorbereitet, um nicht nur den Text, sondern auch den Satzbau zu verstehen. Trotzdem kann ich ja kein dänisch und habe nur die Phonetik gelernt und dann Wort für Wort verstanden. Wenn man in seiner Muttersprache spielt, kann man sich ganz anders treiben lassen und seine Emotionen anders rauslassen. Dänisch zu spielen war eine spannende Herausforderung und ein bisschen verstehe ich jetzt schon, aber sprechen kann ich es leider nicht. Deine Figur Cecile ist krass, sie hat Beziehungs- und Drogenprobleme und es kommt noch einiges dazu, was wir der Spannung halber nicht verraten wollen Was hat dir denn an der Rolle am besten gefallen? Ich erinnere mich gut an den Castingprozess. Ich wollte die Rolle unbedingt spielen, weil sie so sehr anders ist, als all das, was ich bisher gemacht habe. Noch nie war ich eine Figur, die so viel Wut in sich hat und so selbstzerstörerisch damit umgeht. Sie durchläuft in der Serie schwierigste Situationen, wird emotional in viele Richtungen gezogen. Diesen Konflikt zu verstehen und ihre Reaktionen darauf, das fand ich mega interessant. Es geht um eine perfekte Familienidylle, bis klar wird, dass es große Geheimnisse und Lügen gibt. Der Regisseur Friedemann Fromm stellt in diesem Zusammenhang die Frage in den Raum, ob ein Leben ohne die eine oder andere Lüge überhaupt möglich ist. Was denkst du? Eine interessante Frage. Manche Lügen erzählt man ja auch zum Schutz, vor allem wenn jüngere Kinder betroffen sind wieviel erzählt man ihnen, um sie behütet aufwachsen zu lassen. Ich bin auf jeden Fall ein wahrheitsliebender Mensch, denn Lügen haben immer kurze Beine am Ende kommt doch immer die Wahrheit raus. Meinst du nicht, dass im sozialen Zusammenleben Lügen das Dasein manchmal erleichtern? Ich versuche auch kleine Notlügen zu vermeiden, ich glaube, ich bin schon ein sehr ehrlicher Mensch. Eine weitere Frage in diesem Zusammenhang ist, ob es Wert ist in einem Paradies zu leben, das auf Lügen aufgebaut ist? Ich denke sobald die Lüge raus ist, ist sich jeder darüber einig, dass er oder sie lieber die Wahrheit gewusst hätte. Wer will schon im Unklaren leben solche Erfahrungen wird sicherlich jeder schon einmal gesammelt haben, und da möchte man doch immer wissend sein, statt unwissend. Die beiden Familien täuschen nach außen eine perfekte Fassade vor. Das kommt auch in der Realität häufig vor. Hast du Angst, es könnte dir später auch mal genauso gehen? Jeder hat sein Schicksal selbst in der Hand und ich bin immer darauf bedacht in Harmonie zu leben. Ich investiere viel dafür, dass es mir und den Menschen um mich herum gut geht. Aus diesem Grund habe ich keine Angst davor, dass ich später hinter einer vorgetäuschten Fassade leben werde. Andererseits sagt man ja immer so schön, unter jedem Dach ein Ach, denn jede Familie hat doch so ihre Themen. Aus diesem Grund werden die Zuschauer ganz bestimmt mit den Figuren mitfühlen. Was mir in diesem Zusammenhang besonders gut gefällt ist, dass die Serie aus mehreren Folgen besteht und jede aus der Sicht einer anderen Figur erzählt wird. So haben die Zuschauer die Möglichkeit, die Geschichte von jedem Familienmitglied aus dessen Blickwinkel heraus zu erleben und können ihr Handeln vielleicht eher nachvollziehen. Sicherlich wird jeder etwas finden, mit dem man sich identifizieren kann. Zumal mit jedem Familienmitglied mehr von der Geschichte preisgegeben wird. So wird Schritt für Schritt entschlüsselt, was in der Nacht des Unglücks geschehen ist. Das ist extrem spannend. Kai Wehl Familienidylle? Cecile (Milena Tscharntke) und Emile Jensen (Oskar Belton) wollen nach Amerika auswandern.