Guten Morgen Hamburg

ALSTERTAL MAGAZIN | 23 Guten Morgen, Hamburg! unter diesem Motto weckt Jürgen Hunke (77) fortan unsere Stadt. Seit fast vier Jahrzehnten arbeitet der gebürtige Gütersloher in Hamburg. Der Familienvater machte sich als selbstständiger Unternehmer, Inhaber der Kammerspiele, HSV-Präsident, Verlagskaufmann und Galerist einen Namen. Die nächste harte Entscheidung war, die Leistungsabteilung Eishockey und die Profi-Abteilung Volleyball zu schließen. Einsparung: zwei Mil - lionen. Mit meinem Gütersloher Freund Heribert Bruchhagen haben wir alle notwendigen Sanierungs - arbeiten vorangetrieben, und zwar unter dem Grundsatz: Gib nie mehr aus als du einnimmst! Wir haben zu - dem Spieler günstig eingekauft. Ein Beispiel dafür war Markus Babbel, der für 50 000 vom FC Bayern kam. Ich muss gestehen, der damalige Manager Uli Hoeneß hat mir da sehr geholfen. Sanierer stehen auf der Beliebt- heitsskala selten oben... Wir haben alle Vermarktungsverträge neu verhandelt, um Mehrei- nahmen zu erreichen. Mein Image bei den handelnden Personen wurde immer schwieriger, da ich leider konsequent sein musste, um Einnahmen und Ausgaben ins Lot zu bringen. Auf dem Rasen hilft manchmal ein Sonntagsschuss... Ja, wir hatten das Glück, dass uns ein außergewöhnlicher Transfer gelang: Thomas Doll nach Rom. Eine ganze Woche habe ich in Rom verbracht und verhandelt. Sechs Millionen wollten die Römer zahlen, am Ende waren es 18 Millionen. Mit der Netto-Einnahme konnte ich die Gesamtschulden des HSV bei den Banken beglichen. Und Sie waren fortan nicht mehr der ungeliebte Aufräumer? Die sportliche Situation hat sich ja nicht verschlechtert. Und trotz vieler harter Maßnahmen wurde ich mit 99 Prozent der Stimmen als Präsident wiedergewählt. Denn wir hatten auch wichtige Struktur - verbesserungen vorgenommen. Die Supporters wurden gegründet und die Förderer, damit der Verein auch in dem Bereich eine or- ganisierte Struktur bekam. Leider haben wir in der Zeit unseren Platz am Rothenbaum verloren, für den wir einen Pachtvertrag mit einer Kündigung von gerade mal drei Monaten hatten. Ein Ding der Unmöglichkeit. Mit dem Verlust des Platzes ging auch ein Herzstück des HSV verloren? Im Grunde hätte die Stadt dem HSV das Grundstück als Belohnung für seine Erfolge schenken müssen. Um eine außerordentlich positive Darstellung der Stadt in der Welt durch den Verein zu honorieren. Das hätte uns heute einen Mehrwert von 200 Millionen beschert. Die falsche Entscheidung hat sich über alle Jahre ausgewirkt. Woran ist der Vorgang seinerzeit gescheitert? Weil damals Personen aus dem HSV im Hintergrund die Absicht forcierten, das Gelände in Bauland umzuwandeln. Was leider ja pas - siert ist. Siehe auch meinen Bericht über Korruption im Alster-Maga- zin. Eine große Idee liegt leider unter Beton begraben. Als erfolgreicher Sanierer hätten sie noch über Jahre Präsident bleiben können... Ich habe allen Aufforderungen und Bitten weiterzumachen, widerstan - den, da ich mir dieses Ehrenamt zeitlich nicht mehr erlauben konnte. Ich war froh, dem Verein in tausenden von Stunden als ehrenamtlicher Helfer eine hervorra - gende Basis für eine erfolgreiche Zukunft geschaffen zu haben. Und ich bin stolz, dass ich von dem Verein in all den Jahren nicht eine einzige Briefmarke genommen habe. Mit Jürgen Hunke sprach Wolfgang Golz Kaum einer kennt den HSV besser als Jürgen Hunke. Daher wird er auch in den kommenden Ausgaben des ALSTER MAGAZIN über seine Erfahrungen berichten. Auch das mit kritischem Blick. Das traurige Bild eines siegreichen Clubs. Im dritten Jahr zweite Liga. Wer ist verantwortlich für die Entwicklung der einstigen Legende? Von dem Glanz der 80er Jahre ist nur ein Scherbenhaufen übrig. im a g oi m a g es