Winter Manchmal ists

84 | ALSTERTAL MAGAZIN Winter? Manchmal ists zum Heulen Gerade werden die Tage kürzer, schon setzt die schlechte Laune ein. Alles nur Gejammer? Keineswegs. Es gibt sie tatsächlich, die Winterdepression . D ie Natur hat ja Menge schlau eingerichtet. Das mit dem Melatonin zum Beispiel. Bekommt der Körper nicht ausreichend Licht, schüttet er das Schlafhormon aus und wir wissen: Zeit, die Augen zuzumachen. Das ist für Tiere, die für Monate in den Winterschlaf versinken, eine feine Sache, für den Menschen allerdings nicht. Denn der fühlt sich schlapp, antriebsschwach und müde, die Arbeit wird zur Qual, die Laune sinkt. Alles nur Einbildung? Eben nicht. Denn der Lichtmangel und die damit erhöhte Ausschüttung von Melatonin kann tatsächlich zu einer saisonal abhängigen Depression (SAD) füh- ren. Diese eher seltene Form tritt in den Herbst- monaten auf und verschwindet in der Regel im Frühjahr wieder, sagt Prof. Dr. Claas-Hinrich Lammers. Er ist Psychiater und der Ärztliche Direktor der Asklepios Klinik Nord Ochsenzoll. Typisch für eine Winterdepression ist außerdem die ständige Lust auf Süßes und Kohlenhydrathal- tiges, so sagt er. Das kann eine Gewichtszunahme zur Folge haben und macht auch nicht gerade bes- sere Laune. Insgesamt sind viele Menschen, die an einer Winterdepression leiden, häufig gereizt und reagieren genervt auf ihr Umfeld, führt der Psychiater weiter aus. Doch es gibt kleine Tricks und Tipps, dem Winterblues zu entkommen. Reguliert wird der Schlaf-Wach-Rhythmus über die Sinneszellen in den Augen. Je weniger Tageslicht ins Auge fällt, desto mehr Melatonin schütten wird aus, sagt Prof. Lammers. Daher rät er, so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft zu verbringen, denn der Körper tankt auch bei bewölktem Himmel genug Sonnenlicht um eine übermäßige Melatoninbildung zu verhindern. Gleichzeitig kurbeln die UV-Strahlen die Vitamin-D-Produktion an. Das wiederum fördert die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung und auch das Immunsystem wird nachhaltig gestärkt. Eine gute Prävention gegen nervige Erkältungskrankheiten also. Dafür reicht ein Spaziergang oder eine kleine Runde in der Mittagspause möglichst allerdings regelmäßig eine Stunde. Wer da noch einen draufsetzen will, legt ein mo- derates Sportprogramm auf. Denn Bewegung aktiviert die weißen Blutkörperchen und ver- bessert die Durchblutung der Schleimhäute, die Barrieren gegen Viren und Bakterien. Vor allem aber: Wer Sport treibt, schüttet die Glückshormone Endorphin, Serotonin und Dopamin aus. Das hats der Winterblues dann doch etwas schwerer. Wer es im Alltag nicht schafft, sich regemäßig an der frischen Luft zu bewegen, kann eine so- genannte Lichtdusche nehmen, erklärt Prof. Lammers. Das ist eine Therapie mit speziellen Lampen, die sehr helles Licht (10.000 Lux) er- zeugen. Eine halbe Stunde täglich reicht schon. Die entsprechenden Tageslampen sind in Fach- geschäften erhältlich. Mindestens ebenso wichtig wie ausreichend Licht und Bewegung, sind Auszeiten. Denn depressi- ve Verstimmungen gehen häufig mit Stress und sozialem Rückzug einher. Umso wichtiger ist es, übermäßige psychische Belastungen zu vermeiden und Kontakte zu pflegen. Betroffene geraten meist in einen Teufelskreis: Sie fühlen sich schlapp, verzichten deshalb auf Hobbies wie Sport und treffen sich nicht mehr mit Freuden, gibt Prof. Lammers zu bedenken. Damit vermeiden sie Aktivitäten, die den Menschen eigentlich guttun. Darüber hinaus fördern Anspannung und Hektik die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol. Umso wichtiger ist es, zu wissen was einem gut tut. Das kann mal Ruhe sein und Mal eine Riegel Schokolade. Wer sich jedoch regelmäßig in der dunklen Jahreszeit zurück zieht und sich ständig müde und niedergeschlagen fühlt, sollte professionelle Hilfe suchen. Es kann sich dann um eine schwere Depression handeln, die eventuell auch medikamentös behandelt werden muss. Ratgeber Winterdepression Wir fühlen uns schl app , antriebsschwach un d müde, die Arbeit wird zur Q ual, die Laune sinkt. Typisc h ist auch die ständige Lust au f Süßes und Kohlenhydrathaltige s. Was wir dagegen tun könne n? Prof. Dr. Claas-Hinrich Lammers ist Psychiater und der Ärztliche Direktor der Asklepios Klinik Nord Ochsenzoll. GESUNDHEIT