Geschichten Volker Lechtenbrink

28 | ALSTERTAL MAGAZIN MAGAZIN Ich wollte immer Geschichten erzählen Volker Lechtenbrink , Schauspieler, Musiker, Regisseur und Texter aus Winterhude, lässt das Publikum bei seinem neuen Programm im St. Pauli Theater an seinem erfüllten Leben teilhaben. Im Gespräch mit dem Alstertal Magazin sprach er über seine Erinnerungen , seine Musik und Hamburg, seine Stadt. Alstertal Magazin: Der Name Ihres neuen Programmes Kommen Sie ruhig rein impliziert ja schon: Jetzt wirds persönlich. Sie stehen seit Ihrem zehnten Lebensjahr auf der Bühne haben Sie nicht schon jahrzehntelang das Publikum reingelassen? Volker Lechtenbrink: Man könnte fast sagen, das Publikum und ich haben im Laufe der Jahre eine Liebesbeziehung aufgebaut. Sie haben mir auch viel verziehen. Wenn ich heute meinen Fisch kaufe und über den Winterhuder Marktplatz gehe, kriege ich nur Liebe entgegengebracht: Mensch, Volker, wie gehts? Schön Sie zu sehen! Das ist schon ein tolles Gefühl. Sie sprechen ja auch über Weggefährten in Ihrem neuen Pro- gramm. Welche Anekdoten bringen Sie zum Beispiel? Die Lieder sind alle festgelegt, aber die Anekdoten erzähle ich je nach Laune. Ich gebe mir da ein bisschen Improvisationsfreiheit. Ich werde bestimmt über meine Freundschaft zu Robert de Niro erzählen, ich werde wahrscheinlich über die Knef erzählen und Gustav Knuth, über meinen Vater, der allerdings nicht sehr berühmt ist. Was und wann, das überlasse ich mir. Ich will es sowieso nicht so statuarisch machen. Es ist geplant improvisiert, sozusagen. Was gibt es musikalisch zu hören? Die ganzen alten Hits, die will man ja hören! Singen Sie die selbst überhaupt noch gerne? Ich habe ja vor Jahren aufgehört und habe überhaupt nicht mehr öffentlich gesungen. Vor vier, fünf Jahren überredete mich Carmen Nebel mit ihrer charmanten Art, in ihrer Show aufzutreten, aber dann war es das auch erst mal. Ich singe einige der Lieder jetzt seit dreißig Jahren erstmals wieder. Deutsche Texte sind mittlerweile in der hiesigen Musik wieder sehr gefragt Sie haben immer und erfolgreich deutsch getex- tet. Wie wichtig sind Ihnen Texte? Ich wollte ja eigentlich gar nicht singen. Die Kris-Kristofferson- Lieder, die ich mit Knut Kiesewetter zusammen übersetzt hatte, wollte aber sonst kein Berühmterer singen, weil ihnen die Themen zu hart waren. Es ging um Alkohol, Ehebruch, Homosexualität. Wir wollten das Projekt aber unbedingt machen, also musste ich selbst ran. Ich bin dahin gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Ich habe das schweißüberströmt gesungen und die LP schoss in die Charts. Damit war ich in der Branche. Ich wollte immer Geschichten erzählen. Es war mir immer wichtig, dass nicht nur eine Zeile achtzehnmal wiederholt wurde, sondern bei den Liedern etwas dahintersteckt. So wie Sie auf der Bühne auch Geschichten erzählen. Werden Sie auch mal wieder in eine neue Rolle schlüpfen? Ja! Dieses Jahr inszeniere ich Shakespeares Was ihr wollt am Ernst Deutsch Theater und übernehme die Rolle des Narren. Ein wichtiger Protagonist in Ihrem Leben: Hamburg Ihre Stadt. Hat sich da Ihre Beziehung geändert? Ich fühle mich hier zu Hause. Das fing schon damals vor 40, 50 Jahren an wenn ich nach einer Vorstellung im Schauspielhaus noch eingekehrt war und auf der Suche nach einem Taxi durch die Stadt lief, hielt dann plötzlich ein Peterwagen neben mir: Na, Volker, wo willst du denn hin, willst du mitfahren? Die Stadt hatte mich so aufgesogen und ich die Stadt so inhaliert, dass wir am Ende fast eins geworden sind. Es ist schön, eine Art Heimat zu haben, wo man gerne rausgeht und weiß, dass einen viel Sympathie und Zuneigung erwartet. Christian Luscher Das Publikum und ich haben im Laufe der Jahre eine Liebesbeziehung aufgebaut, sagt Volker Lechtenbrink. KOMMEN SIE RUHIG REIN So heißt das Programm, das Volker Lechtenbrink an 15 Terminen vom 23. Februar bis zum 17. März im St. Pauli Theater spielt. Tickets und Termine unter Tel. 47 11 06 66 und auf www.st-pauli-theater.de Fo to : J im R a ke te