STÄDTE CONTRA schönste

18 | ALSTERTAL MAGAZIN Jonas Bormann, Redakteur Als ich über Weihnachten auf Heimatbe- such in Frankfurt am Main war, sind mir vor allem die unschönen Dinge ins Auge gesprun- gen: Völlig überdimensionierte U-Bahnhöfe, dunkle Straßen und abseits der allseits bekannten Hotspots viel Grau und Tristesse. Was ich vorher als zwangsläufige Nebenerscheinung einer jeden Großstadt wahrgenommen habe, sehe ich nun mit ande- ren Augen. Selbstverständlich hat auch Hamburg mehr als genug dieser schmuddeligen und unschönen Winkel, man denke nur an die Gegend rund um den Hauptbahnhof. Tat- sächlich überwiegen für mich jedoch die außergewöhnlichen und imposanten Ecken (und Kanten) der Stadt. Seien es die Alsterläufe, die sich wie ein Labyrinth durch die angrenzenden Stadtteile schlängeln, die Fülle an Parks, die Hamburg zu einer der grünsten Großstädte Europas machen oder der Hafen, der allein so groß ist, wie das gesamte Kölner Stadtgebiet was für viele wie selbstverständlich zum Stadtbild gehört, sind in Wirk- lichkeit Alleinstellungsmerkmale, die so eben nur Hamburg zu bieten hat. Und das sollte man als Einwohner zu schätzen wis- sen. Den Primus, die schönste Stadt der Welt zu sein, kann natürlich auch Hamburg nicht allein für sich deklarieren. Dafür sind die Metropolen dieses Planeten schon viel zu verschieden. Zumin- dest deutschlandweit das hat mir der Besuch in Frankfurt noch einmal gezeigt braucht sich die Hansestadt allerdings nicht zu verstecken. Wolfgang E. Buss, Verleger Als geborener Hamburger erin- nere noch gut eine rostige und nach Fisch müffelnde Stadt der 50-er und 60er-Jahre. Neidisch blickte man nach München, das bereits 1972 die Olympi- ade und internationalen Tourismus bekam, während Hamburg sich mit dem Werftensterben und jahrelangen Problemen rund um die Hafenstraße herumschlagen musste. Doch jetzt ist alles anders. Jetzt haben wir die Elphi und einige Stellen echt herausgeputzt. Hamburg ist fast schon so schön wie Singapur. Unsere Binnen- und Außenalster sind sogar mondäner als die Marina-Bay oder Bay-Sands. Dafür ist Singapur 100-mal sauberer. Keine Schmierereien, keine Tags, Graffitis oder angezün- dete Papierkörbe. Oder eine Müllhalde nach einem traumhaften Wochenende auf den Stadtparkwiesen. Viele Hamburger schei- nen das aber okay zu finden, bewerten Graffitis als künstlerischen Ausdruck der jungen Generation und Stadtvermüllung als wun- derbare Freiheit des Bürgers, selbst entscheiden zu können, ob er seinen Dreck entsorgt oder das eben anderen überlässt. Das ist in Singapur anders, soziale Kompetenz wird dort differenzierter bewertet. Die Stadt ist total sicher, total sauber und dadurch total klasse, wie ich finde. Aber da bin ich wohl ziemlich alleine. Hat Schönheit was mit Sauberkeit zu tun? Das Mindset vieler Hambur- ger aber auch Zugezogener ist da anders. Schade. Rund um den Hauptbahnhof oder an anderen dunklen Ecken muss man sich schämen für die Stadt. Aber, wie sagt der Hamburger: Wennu da nich so genau hinkucken tust dann siesas auch nicht! PRO CONTRA MAGAZIN Die schönste aller STÄDTE? Die Maxime, dass Hamburg die schönste Stadt der Welt sei, ist speziell in der Hansestadt selbst immer wieder zu vernehmen. Völlig zu Recht, sagen die einen, während andere von Überheblichkeit sprechen. Was ist dran, am ambitionierten Anspruch, die schönste aller Städte zu sein? Die Redaktion diskutiert. Jetzt mitdiskutieren! facebook.com/alstertalmagazin oder Mail an redaktionalster-net.de