London ruft Hamburg

18 | ALSTERTAL MAGAZIN MAGAZIN Spruch eine Positionsangabe mit Wettermeldung. Die Verbindung steht. Zwei Tage später läuft die Widar in den Hafen der norwe- gischen Hauptstadt Oslo ein. Zeitgleich liefern deutsche Agenten via Domäne wichtige Informationen über die dänischen und norwegischen Verteidigungsvorbereitungen. In der deutschen Operationsplanung kommt der schnellen Besetzung Oslos zentrale Bedeutung zu. Doch ausgerechnet hier erleiden die Angreifer bereits in den ersten Stunden des Feldzugs einen empfindlichen Rückschlag. Die Marine scheitert am norwegi - schen Widerstand in der befestigten Dröbak-Enge und der Kreuzer Blücher geht verloren. Umso wichtiger ist jetzt das Gelingen der Luftlandungen noch an diesem 9. April. Doch wegen der niedrigen Wolkendecke werden die Maschinen zu ihrem dänischen Aus - gangsflugplatz Aalborg, der in den frühen Morgenstunden nicht zuletzt dank der Funkmeldungen der deutschen Agenten unversehrt eingenommen werden konnte, zurückbeordert. Als mancher in den deutschen Stäben das Unternehmen schon verloren glaubt, sorgt der Zweite Offizier der Widar mit seinen Wetter- und Lagemeldungen für neuen Angriffsschwung. Um 10.10 Uhr geht in Wohldorf die Funkmeldung ein: Fornebu [Os- los Flughafen] anscheinend in deutscher Hand. Also sind doch einige Maschinen durchgekommen, sicher gelandet und haben die Bodentruppen abgesetzt. Als die Widar kurz darauf die Auflösung der Wolkendecke meldet, startet Welle auf Welle der Transport - flugzeuge und landet planmäßig in Fornebu. Die Einnahme Oslos und damit das Gelingen des gesamten Feldzuges ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Zweite Offizier der Widar berichtet laufend über die Lageentwicklung. Immer neue Meldungen über die Landung weiterer Transportflugzeuge wechseln mit Informationen über die Wirkung der Stuka-Angriffe und des norwegischen Abwehrfeuers, Positionsangaben von Schiffen im Hafen als Zielmarken für die Luftwaffe, das Verhalten der Zivilbevölkerung und das Wetter. Schließlich kommt von der Widar die erlösende Nachricht vom Gelingen des Feldzuges, woran ihr Zweiter Offizier nicht geringen Anteil hat. Denn die von ihm nach Wohldorf gesendeten Funksprü- che waren in der entscheidenden Phase des Angriffs die einzigen Meldungen von der Front in Oslo, die über die Abwehrstelle in Hamburg das Führerhauptquartier erreichten. Wie schon in Norwegen und Dänemark trugen auch bei den Feldzügen im Westen, in Griechenland und in Afrika die in der Domäne eingehenden Funkmeldungen deutscher Agenten und Gewährsleute zur Entscheidungsfindung der militärischen Führung und damit zu den operativen Erfolgen bei. Daneben wurden auch sogenannte bewegliche Unternehmungen der Abwehr vom Kup- ferhof aus funktechnisch geführt. Besonders spektakulär waren die Kutter- und Segelyacht-Einsatze mit den Schiffen Kyloe, Passim und Anni Braz Bihem in Spanien, Irland, Südamerika und Südafrika. Ein wahres Husarenstück war die Reise der beschlagnahmten französischen Kyloe, einer 20-Meter-Rennjacht, die im Frühjahr 1941 vom deutsch besetzten Frankreich lossegelt. An Bord hat sie Robey Leibbrandt, einen burischen Schwergewichtsmeister im Boxen. Dieser war nach den Olympischen Spielen 1936 in Berlin geblieben und hatte sich bei Kriegsbeginn freiwillig zu den deutschen Fallschirmjägern gemeldet. Jetzt soll ihn die Ky- loe in seine Heimat Südafrika bringen, um dort im Rahmen der Abwehr-Operation Weißdorn Widerstandsgruppen gegen die englandfreundliche Regierung zu bilden und Anschläge zu ver - üben. Das Kommando an Bord hat der bekannte Hochseesegler und Kap Hornier Christian Nissen, auch bekannt als Hein Mück, der mittlerweile als Reserveoffizier im Dienst der Abwehr steht. Die 7300 Seemeilen lange Reise von St. Malo über Trinidad an die Küste nordwestlich von Kapstadt, wo Leibbrandt mit einem Schlauchboot abgesetzt wird, dauert 67 Tage. Die Rückfahrt en - det, wieder ohne Zwischenstopp, nach weiteren 5400 Seemeilen in einem Hafen in Spanisch-Marokko, von wo aus die Besatzung per Flugzeug nach Deutschland zurückkehrt. Leibbrandt gelingt es noch, im Verborgenen eine Organisation aufzubauen, die den Sturz der Regierung vorbereitet. Doch dann wartet man in Wohldorf vergeblich auf Funknachrichten aus Südafrika. Ein in seine Gruppe London ruft Hamburg Sendeanlage Vorwerk: Aus technischen Gründen wurde in einer vom Kupferhof ca. 1,5 km entfernten Villa in der Diestelstraße (Ohlstedt) eine Sendestation errichtet. Fortsetzung auf Seite 20 Das Geheimnis des Kupferhofs in Wohldorf Fortsetzung von Seite 17 R . S ta rit z