Buchtipp kleine Friesencafé

22 | ALSTERTAL MAGAZIN MAGAZIN Nein. Ich bin zwar auch schon auf den Spuren meiner Vorfahren unterwegs gewesen, beispielsweise in Polen und weiß, dass ich eine Mischung aus Brandenburger und Rheinländer bin. Herausgekommen ist ein norddeutscher aus Kiel der redet... Das geht gar nicht. Doch, in der Kombination schon. (lacht) Anfangs habe ich vermutet, es geht um einen Kapitän, der sich nicht mit seinem Ruhestand abfinden kann. Ein Klassiker in der heutigen Zeit Ja, er der Vermieter des Ateliers und dann Cafés ist tatsächlich die heimliche Hauptfigur des Buches. 67 Jahre alt, aber topfit und deswegen versteht er nicht, warum er nicht weitermachen darf. Was soll er nun machen, nur noch warten auf den Tod? Gerade Männer kommen damit nicht klar, weil sie sich stärker als Frauen über den Beruf definieren und dort Netzwerke aufgebaut hatten. Bei Frauen sind die häufig eher privater und sozialer Natur, was ihnen den Berufsausstieg teils erleichtert. Julia verlässt ihr heimisches Netzwerk und will auf der Insel bleiben, sich neu verwirklichen. Das nächste Thema unserer Zeit. Absicht? Schon. Gerade jetzt zu Coronazeiten überdenken viele ihr Leben. Julia hat mit ihrer Oma einen schlecht laufenden Blumenladen in Gelsenkirchen. Trotzdem musste sie von Oma animiert werden, nach Föhr zu fahren und zu malen. Sie wollte schon raus, hat aber selbst nicht an ihre Kunstfertigkeit geglaubt. Dann auf Föhr lebt sie ihren Traum... Was viele wollen, aber nie machen... Genau, sie eigentlich auch nicht. Aber durch das für sie neue Malen wird aus dem Haus zufällig erst ein Atelier und wegen der vielen Besucher schließlich ein Café fast zwangsläufig, denn erst diese Kombination ermöglicht ihr das Leben auf Föhr. Hast du einen Traum dieser Art, bei dem du dich nicht traust, ihn zu verwirklichen? Nein. Aber ich hatte einen und habe mich getraut, Autor zu werden. Mein Geld habe ich vorher als Pianist und Komponist verdient, habe in Bars gespielt, auf dem Traumschiff, am Theater, hab eigene Stücke und Werbemusik geschrieben. Irgendwann muss man dann den Mut fassen, komplett auf ein neues Pferd zu setzen. Das war natürlich ein Risiko, aber es hat funktioniert. Der Roman erscheint im Lockdown. Hast du darüber nachgedacht, deinen Figuren einen Mund- Nasen-Schutz zu verpassen? Nein. Ich weiß ja nicht, wann das Masketragen vorbei ist, aber dann will sicherlich niemand mehr davon hören. Meine Geschichten dienen dazu, sich wegzuträumen - zu einem Ausflug ans Meer, nach Föhr. Mir ging es beim Schreiben großteils im Lockdown auch schon so. Ich habe mich extrem in den Sommer hineingeträumt und in dem war ich auf einer schönen Insel, bei gutem Wetter und mit spannenden Leuten zusammen. Da hatte keiner eine Maske, sondern alles war gut. Das hat Spaß gemacht. Wie oft bist du in echt auf Föhr, zum Beispiel aus Recherchezwecken? Häufig, so häufig, dass ich dort meist erkannt werde. Aber das zeigt keiner groß, immer erst am Schluss und ganz leise. Als ich beispielsweise einmal länger in einem Café saß, sagte die Kellnerin nach dem Kassieren im Umdrehen, viel Spaß beim Weiterrecherchieren Herr Mommsen. Typisch Nordlicht halt. Das mag ich. Ich schreibe immer erst aus meiner Erinnerung und fahre dann auf die Insel, um es zu überprüfen. Dabei entdecke stets Neues. Aber nicht nur dort, so habe ich diesmal für das Friesencafé beispielsweise viel über nordische Malerei recherchiert. Bin ins Nolde-Museum gefahren und nach Berlin, um ganz viel nordische Landschaftsmalerei anzuschauen. Das war extrem bereichernd. Gibt es eine Botschaft? Ja, die Aussage ist sicherlich, folge deinen Träumen und habe den Mut, Dinge auszuprobieren. Wenn man nichts ausprobiert, erfährt man auch nichts. kw Buchtipp: Das kleine Friesencafé ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Autor Janne Mommsen . Es geht um Julia, die auf der Insel Föhr zwar eigentlich nur die Spuren ihrer Mutter sucht, aber bleibt und ein neues Leben beginnt von einer Blumenladeninhaberin hin zur Malerin, mit eigenem Atelier, das ein Café wird. Es geht um Liebe, Träume und Selbstverwirklichung und natürlich ein Leben auf einer der schönsten Inseln Deutschlands. Erscheinen bei: Rowohlt Polaris, Paperback, 272 Seiten, 16 Euro Folge deinen Träumen und habe den Mut, Dinge auszuprobieren. Schöner Arbeitsplatz: Ich schreibe immer erst aus meiner Erinnerung und fahre dann auf die Insel, um es zu überprüfen, sagt Janne Mommsen. E va H ä b er le