WELLINGSBÜTTEL Dieser wiederum

40 | ALSTERTAL MAGAZIN WELLINGSBÜTTEL Dieser wiederum belehnte 1810 seinen Verwandten Herzog Friedrich Carl Ludwig von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck mit dem Gut, einen preußischen, russischen und dänischen General und Vorfahren nahezu sämtlicher europäischer Monarchen des 20. Jahrhunderts. Unter seiner Gutsherrnschaft wurde Wellingsbüttel zum Kanzleigut erhoben, wodurch es direkt der königlich-dänischen Verwaltung unterstellt war. Doch trotz seiner Sonderrechte konnte der Herzog die wirtschaftlichen Folgen der vorangegangenen Kriegsnöte nicht überwinden. Insbesondere der Russenwinter 1813 mit Plün- derungen und Verwüstungen hatte seine Spuren hinterlassen. Wie ein gewöhnlicher bürgerlicher Schuldner musste der hochadelige Gutsherr Konkurs anmelden. Nach seinem Tod 1816 kaufte der Hamburger Kaufmann Hercules Roß Wellingsbüttel für 12.000 Taler aus der Konkursmasse, wodurch es wieder in bürgerlichen Besitz gelangte und das Dorf als selbstän- dige Gemeinde vom Gut getrennt wurde. Im Jahre 1846 ging das Gut im Wege einer Versteigerung auf Johann Christian Jauch über. Der neue Gutsherr entstammte einer großbürgerlichen Hamburger Kaufmannsfamilie, die kräftig in Wellingsbüttel investierte und dem Gut eine Blütezeit bescherte. Doch im Gegensatz zu den wohlhabenden Jauchs lebten die verarmten Wellingsbütteler Bürger und Kleinbauern am Rande des Existenzminimums, so dass viele ihren Besitz an die Gutsherrn ver- kauften. Diese ließen die Gebäude auf den hinzuerworbenen Flächen abreißen, den Gutspark erweitern und in der Nähe des Herrenhauses einen Hirschpark anlegen. Die ohnehin wenig ertragreiche Land- wirtschaft trat in den Hintergrund, und Wellingsbüttel entwickelte sich zum Schauplatz gesellschaftlicher Ereignisse, ausgedehnter Jagden und Landpartien der Hamburger. Das Wellingsbütteler Gehölz galt seinerzeit als einer der schönsten und köstlichsten Wälder in Hamburgs Umgebung, wie es in einem zeitgenössischen Reiseführer heißt. Jauchs Erben verkauften das repräsentative Anwesen 1888 an die Hamburger Bankierswitwe Cäcilie Behrens, die aber schon drei Jahre später starb. Neuer Besitzer wurde der Hamburger Kaufmann und Konsul Otto Jonathan Hübbe. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er Herr über rund 65 Bedienstete, 26 Pferde, 180 Milchkühe und 30 Stück Jungvieh. Aber er war eben kein Landwirt, sondern ein Kaufmann, der seinen Besitz zu Geld machen wollte. Um das fast 500.000 Quadratmeter umfassende Gelände aufzuteilen, brachte er den Besitz 1912 in eine Siedlungsgesellschaft, die Alsterthal- Terrain-Actien-Gesellschaft (ATAG), ein. Mitgesellschafter waren die Herren der Nachbargüter Sasel und Poppenbüttel. Die ATAG parzellierte die landwirtschaftlichen Flächen für den Eigenheimbau, und die ersten Villen entstanden. Das Herrenhaus und den Gutspark erwarb der Hamburger Kauf- mann Friedrich Kirsten. Die großflächige Aufsiedelung Wellings - büttels geriet jedoch durch den Ersten Weltkrieg ins Stocken, und die Gesellschaft musste 1918 Konkurs anmelden. Gleichwohl war Das Herrenhaus wurde 1750 im Auftrag des Maximilian von Kurtzrock errichtet und bis heute mehrfach umgebaut. Fortsetzung von Seite 39 B ez irk sa m t W a nd sb ek /M ic ha el P a sd zi o r