Pflege trifft Angehörigen

ALSTERTAL MAGAZIN | 31 Dr. Jürgensen, Neurologe und Psychiater, ist seit mehr als zwei Jahren Leiter der Angehörigen Ambulanz an der Asklepios Klinik Nord. A n eine Situation hat Dr. Frank Jürgensen besonders berührt. Da war diese ältere Dame, jahrelang pflegte sie ihren Ehemann, bis sie irgendwann nicht mehr konnte. Sie erzählte mir, dass ihr fast die Hand ausgerutscht wäre, woraufhin sie völlig erschrocken über sich selbst gewesen ist, erinnert sich der Neurologe und Psychiater. Sie holte sich Hilfe. Irgendwann sagte sie mir, dass sie nun mit diesen Situ- ationen umgehen kann, die nötige Distanz entwickelt hat und mehr Selbstfürsorge betreibt. Das sind Sätze, die den Neurologen in seiner Arbeit bestätigen. Seit mehr als zwei Jahren leitet Dr. Jürgensen die Angehörigen-Ambulanz an der Asklepios Klinik Nord, es ist die einzige ihrer Art bundesweit. Angehörige werden oft gar nicht gefragt, ob sie die Pflege über - nehmen wollen und rutschen dann völlig unvorbereitet da hinein, sagt er und meint damit nicht nur die ganz praktischen Dinge, sondern vor allem die mentale Belastung. Häufig äußere sich diese zunächst in körperlichen Beschwerden und es dauere eine Weile, bis man auf die psychischen Auswirkungen stoße. Viele Pflegende leiden unter Pflege trifft die Angehörigen völlig unvorbereitet In Deutschland sind etwa drei Millionen Menschen pflegebedürftig , fünf Millionen haben Pflegeverantwortung. Das sind Partner, Kinder, manchmal Nachbarn oder Bekannte. Sie rutschen in diese Verantwortung oftmals einfach so rein und drohen daran zu zerbrechen . Eine Angehörigen-Ambulanz bietet Hilfe. Depressionen, an Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit. Vor allem verlernen sie, auf sich selbst acht zu geben. In der Angehörigen- Ambulanz bieten Psychologe, Ärzte, Pflegkräfte und Sozialarbeiter diesen Menschen Unterstützung. Im Mittelpunkt steht bei uns, dass die Pflegenden wieder Selbstfürsorge lernen, sagt der Neurologe und Psychologe. Zugleich wissen er und sein Team weiter, wenn es darum geht, Pflegestufen zu beantragen, Betreuung zu organisieren, möglicherweise eine Kur. Die meisten seiner Patienten kommen aus den eigenen Häusern, wo Ärzte oder Pflegepersonal auf den kritischen Zustand der Ange - hörigen aufmerksam werden, ein Drittel kommt über die Hausärzte. Dr. Jürgensen ist wichtig, dass es einzig um den Pflegenden geht, die Schwere der Pflegebedürftigkeit und auch die verwandtschaftlichen Verhältnisse spielen keine Rolle. Die Kosten für die Behandlung tragen die Krankenkassen. Inzwischen ist das Bewusstsein für die Not der vielen Pflegenden gewachsen. Dr. Jürgensen und sein Team bieten mittlerweile auch Sprechstunden in Heidberg, in St. Georg und Altona an, ein weiterer Ausbau ist geplant. MAGAZIN